Frauen in Führung: Im Gespräch mit Tatjana Rekke-Zimfer

Tatjana Rekke-Zimfer führt ein Unternehmen in einer Branche, die gesellschaftlich wichtiger kaum sein könnte. Im Gespräch mit Rheinland Exklusiv spricht sie über Verantwortung, Pflege, Female Leadership und ihren persönlichen Führungsstil.

Führung bedeutet Verantwortung für Menschen

Geprägt hat sie ihre Zeit als Krankenschwester. Dort lernte sie, wie wichtig Vertrauen, Verlässlichkeit und klare Entscheidungen sind. Diese Haltung begleitet sie bis heute.

Als Geschäftsführerin stehen für sie die Menschen im Mittelpunkt: Patienten, Angehörige und Mitarbeitende. Gute Führung bedeutet für sie, Orientierung zu geben, Verantwortung zu übernehmen und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen wachsen können.

Pflege braucht Zukunft statt Krisenrhetorik

Die Pflegebranche steht vor enormen Herausforderungen. Menschen werden älter, Krankheitsbilder komplexer und der Versorgungsbedarf steigt. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte und der bürokratische Aufwand bleibt hoch.

Für Rekke-Zimfer sind Ausbildung und kontinuierliche Weiterbildung deshalb entscheidend. Mit der eigenen Akademie investiert die PuR Gruppe gezielt in die fachliche und persönliche Entwicklung ihrer Mitarbeitenden.

Female Leadership und Authentizität

Female Leadership bedeutet für sie, den eigenen Weg zu gehen und dabei authentisch zu bleiben. Gute Führung hat für sie weniger mit Geschlecht zu tun als mit Persönlichkeit, Kompetenz und Haltung.

Jungen Frauen rät sie, an sich selbst zu glauben und nicht darauf zu warten, perfekt zu sein. Entscheidend seien Mut, Ausdauer, Leidenschaft und die Bereitschaft, Chancen zu ergreifen.

Ihr Wunsch für die Zukunft der Pflege in Deutschland ist mehr gesellschaftliche Wertschätzung. Pflege bedeutet für sie weit mehr als Versorgung: Würde, Sicherheit, Lebensqualität und Menschlichkeit.

Die Pflegebranche steht vor großen Herausforderungen – gleichzeitig bietet sie enormes Potenzial für Innovation, Menschlichkeit und nachhaltige Entwicklung. Im Gespräch mit Tatjana Rekke-Zimfer, Geschäftsführerin der PuR Gruppe, sprechen wir über Verantwortung, Female Leadership, Unternehmenskultur und ihre Vision für die Zukunft der Pflege.

Was bedeutet Führung für Sie persönlich?

Rheinland Exklusiv: Frau Rekke-Zimfer, Sie führen ein Unternehmen in einer Branche, die gesellschaftlich wichtiger kaum sein könnte. Was bedeutet Führung für Sie persönlich?

Tatjana Rekke-Zimfer: Führung bedeutet für mich vor allem Verantwortung für Menschen. Geprägt hat mich dabei meine Zeit als Krankenschwester. Dort habe ich gelernt, wie wichtig Vertrauen, Verlässlichkeit und klare Entscheidungen sind.

Diese Haltung begleitet mich bis heute. Als Geschäftsführerin stehen für mich die Menschen im Mittelpunkt – unsere Patienten, ihre Angehörigen und unsere Mitarbeitenden. Gute Führung bedeutet, Orientierung zu geben, Verantwortung zu übernehmen und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen wachsen können. Denn langfristiger Erfolg entsteht nicht durch Zahlen allein, sondern durch starke Teams.

Der Weg in die Verantwortung

Rheinland Exklusiv: Gab es einen Moment, in dem Ihnen bewusst wurde, dass Sie Führungsverantwortung übernehmen möchten?

Tatjana Rekke-Zimfer: Einen einzelnen Schlüsselmoment gab es nicht. Es war vielmehr eine Entwicklung während meiner Zeit als Krankenschwester. Ich habe meinen Beruf immer mit großer Leidenschaft ausgeübt und gleichzeitig den Wunsch entwickelt, Dinge aktiv mitzugestalten und zu verbessern.

Deshalb habe ich mich für ein Studium im Pflegemanagement entschieden. Der Schritt in die Selbstständigkeit war dann die logische Konsequenz. Ich wollte meine Vorstellungen von guter Pflege, Qualität und Unternehmenskultur selbst umsetzen.

Rückblickend war das eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens, weil sie mir bis heute die Möglichkeit gibt, Pflege aktiv mitzugestalten.

Die größten Herausforderungen der Pflege

Rheinland Exklusiv: Die Pflegebranche steht vor enormen Herausforderungen. Wo sehen Sie aktuell die größten Aufgaben?

Tatjana Rekke-Zimfer: Die Menschen werden älter, die Krankheitsbilder komplexer und der Versorgungsbedarf steigt stetig. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte und der bürokratische Aufwand ist nach wie vor sehr hoch.

Deshalb sind eine gute Ausbildung und kontinuierliche Weiterbildung wichtiger denn je. Aus diesem Grund habe ich vor vielen Jahren unsere eigene Akademie gegründet, um Mitarbeitende fachlich und persönlich zu stärken.

Trotz aller Herausforderungen bin ich optimistisch. Wenn wir in Menschen, Bildung und moderne Strukturen investieren, können wir die Zukunft der Pflege erfolgreich gestalten.

Warum die PuR Gruppe auf Ganzheitlichkeit setzt

Rheinland Exklusiv: Die PuR Gruppe verbindet Pflege, Therapie und Bildung. Warum war Ihnen dieser ganzheitliche Ansatz wichtig?

Tatjana Rekke-Zimfer: Für mich war Pflege nie etwas, das man isoliert betrachten kann. Hinter jedem Patienten stehen individuelle Bedürfnisse, Angehörige, Wünsche und Ziele. Deshalb gelingt gute Versorgung nur, wenn Pflege, Rehabilitation, Prävention und Bildung zusammenspielen.

Aus dieser Überzeugung heraus ist die PuR Gruppe entstanden. Neben der Pflege haben wir früh die Bereiche Rehabilitation, Prävention und Bildung aufgebaut. Mit unserer Akademie investieren wir gezielt in die Weiterentwicklung unserer Mitarbeitenden, denn gute Pflege beginnt bei gut ausgebildeten Menschen.

Mein Ziel war nie, möglichst groß zu werden. Ich wollte Strukturen schaffen, die Menschen besser unterstützen – unsere Patienten genauso wie unsere Mitarbeitenden.

Warum sie lieber über Zukunft als über Krisen spricht

Rheinland Exklusiv: Viele sprechen von Pflegekrise. Sie sprechen häufig von Zukunft. Warum?

Tatjana Rekke-Zimfer: Natürlich stehen wir vor großen Herausforderungen. Aber wenn wir nur über Krisen sprechen, verlieren wir den Blick für die Chancen.

Menschlichkeit ist kein Konzept, sondern Verantwortung.

Ich habe in meinem Berufsleben immer wieder erlebt, dass aus Herausforderungen die besten Ideen entstehen. Genau deshalb bin ich überzeugt, dass die Pflege großes Potenzial hat – wenn wir bereit sind, neue Wege zu gehen, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen aktiv zu gestalten.

Deshalb spreche ich lieber über Zukunft. Denn sie entsteht nicht von allein, sondern durch Menschen, die den Mut haben, sie mitzugestalten.

Frauen in Führungspositionen

Rheinland Exklusiv: Welche Herausforderungen erleben Frauen heute noch in Führungspositionen?

Tatjana Rekke-Zimfer: Es hat sich in den letzten Jahren vieles verbessert, aber Frauen stehen in Führungspositionen oft noch unter dem Anspruch, alles perfekt machen zu müssen. Ich glaube, genau davon sollten wir uns verabschieden.

Als Unternehmerin und Mutter von zwei Söhnen habe ich gelernt, dass Führung nichts mit dem Geschlecht zu tun hat. Entscheidend sind Kompetenz, Verantwortung und die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen.

Man muss nicht perfekt sein, um erfolgreich zu führen. Wichtig ist, authentisch zu bleiben, Entscheidungen zu treffen und seinen eigenen Weg mit Überzeugung zu gehen.

Ihr Führungsstil

Rheinland Exklusiv: Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Tatjana Rekke-Zimfer: Ich würde meinen Führungsstil als wertschätzend, klar und authentisch beschreiben. Mir ist wichtig, dass Menschen wissen, woran sie sind, und sich auf Zusagen verlassen können.

Gleichzeitig glaube ich daran, Verantwortung zu übertragen und Mitarbeitende in ihrer Entwicklung zu fördern. Es macht mir große Freude, Potenziale zu erkennen und Menschen dabei zu unterstützen, über sich hinauszuwachsen.

Wertschätzung bedeutet für mich aber auch Klarheit. Entscheidungen müssen getroffen und Erwartungen offen ausgesprochen werden. Gute Führung entsteht aus Vertrauen, Verlässlichkeit und dem gemeinsamen Ziel, jeden Tag ein Stück besser zu werden.

Was Female Leadership für sie bedeutet

Rheinland Exklusiv: Was bedeutet Female Leadership für Sie persönlich?

Tatjana Rekke-Zimfer: Für mich bedeutet Female Leadership, den eigenen Weg zu gehen und dabei authentisch zu bleiben. Gute Führung hat für mich weniger mit dem Geschlecht zu tun als mit Persönlichkeit, Kompetenz und Haltung.

Als Frau bringe ich meine eigenen Erfahrungen und Perspektiven in meine Arbeit ein – Empathie, Kommunikationsfähigkeit, Teamorientierung und die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Genau darin liegt eine Stärke.

Ich bin Tochter, Mutter von zwei wunderbaren Söhnen, Ehefrau und Unternehmerin. Diese Rollen konkurrieren nicht miteinander – sie haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Jede dieser Erfahrungen prägt auch meine Art zu führen.

Gerade jungen Frauen möchte ich zeigen, dass man nicht perfekt sein muss, um erfolgreich zu sein. Viel wichtiger sind Mut, Ausdauer, Leidenschaft und die Bereitschaft, Chancen zu ergreifen.

Was sie antreibt

Rheinland Exklusiv: Was treibt Sie jeden Morgen an?

Tatjana Rekke-Zimfer: Mich motivieren Menschen. Die Möglichkeit, etwas zu bewegen, Entwicklungen anzustoßen und zu sehen, wie Mitarbeitende und Patienten ihren Weg gehen, gibt meiner Arbeit jeden Tag Sinn.

Gleichzeitig ist meine Familie meine größte Kraftquelle. Mein Mann und meine beiden Söhne erinnern mich jeden Tag daran, warum sich Einsatz, Verantwortung und Durchhaltevermögen lohnen.

Am Ende ist es genau diese Kombination, die mich antreibt: Menschen zu unterstützen, Chancen zu schaffen und etwas Positives zu bewirken.

Die Vision für die PuR Gruppe

Rheinland Exklusiv: Wie sieht Ihre Vision für die PuR Gruppe in den kommenden Jahren aus?

Tatjana Rekke-Zimfer: Meine Vision ist es, Pflege auch in Zukunft menschlich, innovativ und mit höchster Qualität zu gestalten. Dabei möchte ich Menschen zusammenbringen, Mitarbeitende fördern und Versorgungsangebote schaffen, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.

Wachstum ist dabei nicht das eigentliche Ziel. Viel wichtiger ist mir, dass wir unsere Werte bewahren: Menschlichkeit, Respekt, Vertrauen und Verantwortung.

Wenn die Menschen in einigen Jahren über die PuR Gruppe sprechen, wünsche ich mir, dass sie nicht zuerst an die Größe des Unternehmens denken, sondern daran, dass wir einen Unterschied gemacht haben – für Patienten, Angehörige und Mitarbeitende.

Ausgleich im Alltag

Rheinland Exklusiv: Wann finden Sie persönlich Ausgleich?

Tatjana Rekke-Zimfer: Meinen größten Ausgleich finde ich in meiner Familie. Mein Mann und meine beiden Söhne sind mein Anker und geben mir Kraft.

Ich genieße die Zeit, die wir gemeinsam verbringen – ob auf Reisen, bei einem guten Essen oder einfach bei einem gemütlichen Abend zu Hause. Diese Momente helfen mir, abzuschalten und neue Energie zu tanken.

Meine Familie ist mein Zuhause, mein Rückhalt und meine größte Kraftquelle. Sie erinnert mich jeden Tag daran, was im Leben wirklich zählt.

„Wer nicht mehr besser werden will, hat längst aufgehört, gut zu sein.“

Dieses Zitat begleitet Tatjana Rekke-Zimfer seit ihrem ersten Ausbildungstag zur Krankenschwester im Elisabeth-Krankenhaus. Für sie ist es bis heute ein persönlicher Leitsatz: neugierig bleiben, sich weiterentwickeln und niemals auf Erfolgen ausruhen.

Ratschläge für junge Frauen

Rheinland Exklusiv: Was würden Sie jungen Frauen raten, die selbst Führungsverantwortung übernehmen möchten?

Tatjana Rekke-Zimfer: Mein wichtigster Rat ist: Glauben Sie an sich selbst und warten Sie nicht darauf, perfekt zu sein.

Viele Frauen unterschätzen ihre Fähigkeiten und trauen sich zu wenig zu. Dabei entsteht Selbstvertrauen oft erst auf dem Weg und nicht schon am Anfang.

Bleiben Sie authentisch, übernehmen Sie Verantwortung und haben Sie den Mut, Chancen zu ergreifen – auch wenn Sie sich noch nicht zu hundert Prozent bereit fühlen.

Wer neugierig bleibt und sich weiterentwickelt, kann oft mehr erreichen, als er selbst für möglich hält.

Ein Wunsch für die Zukunft der Pflege

Rheinland Exklusiv: Wenn Sie sich für die Zukunft der Pflege in Deutschland eine Sache wünschen könnten – was wäre das?

Tatjana Rekke-Zimfer: Ich wünsche mir vor allem mehr gesellschaftliche Wertschätzung für die Pflege.

Pflege betrifft uns alle. Sie bedeutet weit mehr als Versorgung – sie bedeutet Würde, Sicherheit, Lebensqualität und Menschlichkeit.

Außerdem wünsche ich mir, dass mehr junge Menschen die Chancen und die Sinnhaftigkeit dieses Berufes erkennen. Denn die Stärke einer Gesellschaft zeigt sich letztlich daran, wie sie mit den Menschen umgeht, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Fotos: Roesberg IT

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